1963

P. Dr. Placidus (Franz Xaver) Sattler OSB (27. April 1888 – 14. Februar 1963)

Nach langem schwerem Siechtum verschied am 14. Februar 1963, kurz vor Mitternacht, im Frieden des Herrn unser lieber Mitbruder P. Placidus Sattler.
Geboren am 27. April 1888 in Dießen am Ammersee, wuchs er im Schoße einer kinderreichen, frommen Lehrerfamilie auf, die im Jahre 1893 nach Wartenberg bei Moosburg übersiedelte, wo der Vater dann über 40 Jah1e lang segensreich wirkte. Während fast alle übrigen Geschwister sich dem Lehrberuf zuwandten und darin Hervorragendes leisteten, zog es Franz schon früh zum Priester- und Ordensberuf. So kam er 1898 nach Scheyern, 1903 nach Freising und 1904 als Scholastiker von Scheyern nach Metten, wo er 1907 absolvierte. Am 8. September desselben Jahres wurde er in unserem Kloster eingekleidet und an Kreuzerhöhung 1908 legte er die ersten Gelübde ab. Nach seinen philosophischen und theologischen Studien in München empfing er am Fest der Apostelfürsten 1912 in Freising die heilige Priesterweihe. Und nun begann auch für ihn das „väterliche Handwerk“. In den verschiedensten Fächern entfaltete der junge Lehrer, wenn auch nicht eigens dafür vorgebildet, zunächst 10 Jahre lang seinen ganzen Eifer und sein großes Geschick und war gleichzeitig noch als Präfekt im Seminar tätig. Als dann aber der Ausbau unserer Schule zu einem öffentlichen Progymnasium geplant war, setzte er sich mit demselben Eifer und der gleichen fröhlichen Bereitschaft: wieder selbst auf die Schulbank, um sich auf das Lehramtsexamen vorzubereiten, das er in den Jahren 1926 und 1927 mit gutem Erfolg bestand. Kaum zurückgekehrt, musste er auch schon die Leitung des neuen Progymnasiums übernehmen und es durch alle Wechselfälle der so bewegten nächsten 25 Jahre steuern. Daneben aber sammelte er noch mit Bienenfleiß Material zur Geschichte der Wiedererrichtung der Bayerischen Klöster nach der Säkularisation und verarbeitete es auch – allerdings nur zu einem kleinem Teil – in seiner Dissertation über die Wiedererrichtung Mettens. Aber auch in der Seelsorge arbeitete er eifrig als Beichtvater, gern gehörter Prediger und als unverdrossener Aushelfer in Nachbarpfarreien. Während der durch die Zeitumstände erzwungenen „Schulpause“ weilte er von 1940–1945 in Niederaltaich und leistete dort dem jungen Kloster treue Dienste. Nach seinem Abschied von der Schule versah er schließlich noch sieben Jahre lang das Amt des Subpriors. Bei all dem blieb dem immer heiteren und vielseitig begabten Mitbruder auch noch Zeit zu dichterischer Muse, mit der er vielen Menschen Freude bereitete und manche Feier verschönern half. Aber diese rastlose Tätigkeit verzehrte wohl auch vor der Zeit seine Kräfte. Es war erschütternd zu sehen und mitzuerleben, wie in den letzten Jahren seine einst so sprühende Phantasie und sein staunenswertes Gedächtnis infolge einer unaufhaltsamen fortschreitenden Zerebralsklerose in einem Maße schwanden, dass ihm jede geistige Tätigkeit unmöglich wurde. Aber auch dann blieb er noch der allzeit gütige, bescheidene und fromme Ordensmann und Mitbruder, der er immer gewesen war und als der er in unserer dankbaren Erinnerung fortleben wird. Gott lohne seinem treuen Knecht überreich alle Mühe und Arbeit in seinem Weinberg und lasse seinen Geist, nun frei aller leiblichen Fesseln, die ewigen Freuden genießen.

Abt und Konvent von Scheyern