2017

P. Prof. Dr. Ansgar Paus OSB (11. Jan. 1932 – 18. Sept. 2017)

Abt Dr. Benno Malfèr OSB (20. Dez. 1946 – 28. Aug. 2017)

Unerwartet verstarb am Fest des hl. Augustinus, des Patrons der Stiftskirche von Gries, dem 28. August 2017, Abt Benno Malfèr von Muri Gries in seinem 71. Lebensjahr. Nur eine Woche zuvor war im örtlichen Krankenhaus in Bozen ein inoperabler Tumor am Darm festgestellt worden. Trotz intensiver ärztlicher Bemühungen ging der sonst sehr robuste Klosterleiter, der die Gemeinschaft von Muri-Gries über 26 Jahre geleitet hat, innerhalb weniger Tage heim.
Abt Benno kam am 20. Dezember 1946 im Bozener Stadtteil Gries, in unmittelbarer Nähe seiner späteren Klosterheimat, zur Welt und erhielt den Taufnamen Christian. Er besuchte das Franziskanergymnasium in Bozen und trat unmittelbar nach der Matura im Jahr 1965 in die Abtei Muri-Gries ein. Seit der Vertreibung aus dem aargauischen Muri im Jahr 1845 lebt die Klostergemeinschaft in Gries im Exil. Die erste Profess legte er am 25. September 1966 ab, wurde 29. Juni 1971 zum Priester geweiht und wirkte einige Jahre als Kooperator in der Klosterpfarrei St. Augustin in Gries. Das Studium der Philosophie und Theologie hatte er im römischen Benediktinerkolleg S. Anselmo absolviert, das in jener Zeit in vielen Disziplinen namhafte Fachleute aufzuweisen hatte. Dort promovierte er auch mit der Studie „Das Handeln des Christen. Theologische Ethik am Beispiel von Schleiermachers christlicher Sitte“ (Viertürme-Verlag Münsterschwarzach 1979) zum Doktor der Theologie. An der Ludwig-Maximilians-Universität München verfolgte er bei Professor Johannes Gründel vertiefende Studien der Moraltheologie und bereitete sich auf eine künftige Lehrtätigkeit vor. Rektor Magnus Löhrer holte Benno Malfèr im Jahr 1981 nach S. Anselmo, wo er ein rundes Jahrzehnt als Professor für Moral- und Pastoraltheologie wirkte. Nach seiner Wahl zum 59. Abt von Muri-Gries und der Abtsweihe am 9. Februar 1991 konnte er seiner theologischen Lehrtätigkeit nur noch in Form von Blockunterricht nachkommen. Für eigene wissenschaftliche Veröffentlichungen fand er unter den gegebenen Umständen kaum noch Raum. Es zeugt jedoch von seiner Freude am akademischen Lehren und seiner beachtlichen Belastbarkeit, dass er bis zum Ende seines Lebens dozierte und noch im Sommer diesen Jahres Examina in S. Anselmo abnahm. Überhaupt war Abt Benno zeitlebens der Benediktinerhochschule und dem Kolleg auf dem Aventin sehr verbunden, wobei ihm seine Zweisprachigkeit als italienischer Staatsbürger mit deutscher Muttersprache entgegenkam. Unter anderem gehörte er dort zur Bibliothekskommission, zum Rat des Abtprimas und zum Dreiergremium Commissio permanens Synodi Praesidium und war ein regelmäßiger Berater in S. Anselmo. Letzteres erwies sich angesichts des dortigen häufigen Personalwechsels als ausgesprochen hilfreich, insbesondere weil Abt Benno sich auch in Feinheiten des italienischen Rechts, vor allem des Baurechts gut auskannte. Abtprimas Notker Wolf nannte ihn ein „Anselmianer Urgestein und ein stückweit lebende Geschichte von S. Anselmo“.
Seine Zuverlässigkeit, seine umfassenden Kenntnisse, sein treffendes Urteil und seine Fähigkeit zuzuhören machten ihn zu einem gesuchten Mitarbeiter und Leiter in vielen Gremien. Genannt seien nur seine Tätigkeiten als Präses der Schweizer Benediktinerkongregation (1997–2015), als Vorsitzender der Salzburger Äbtekonferenz (2003–2012) und als Vorsitzender der Südtiroler Superioren-Konferenz (seit 2012). Auch in der Diözese Bozen-Brixen war er aktiv, u.a. als Teilnehmer der zweiten Synode. In seinem Kloster begleitete er die zahlreichen Wandlungsprozesse der letzten Jahrzehnte und den Ausbau der Klosterökonomie zu einem bekannten und leistungsfähigen Wirtschaftsbetrieb. Es gelang es ihm, seinen vielen Verpflichtungen ausgesprochen zuverlässig nachzukommen; dabei kamen ihm eine beeindruckende Arbeitsdisziplin und hohe Belastbarkeit zugute. Bei den Tagungen und Veranstaltungen der Benediktinerakademie war er regelmäßig anzutreffen, was ihm jeweils weite Autofahrten abverlangte. Der viel und weit Gereiste mögen nun die ewige Ruhe finden. R.i.p.
Stephan Haering OSB / Cyrill Schäfer OSB

P. Dr. Bruno Stephan Scherer OSB (20. März 1929 – 11. Aug. 2017)

P. Prof. Dr. Dr. h.c. Angelus Häußling OSB (19. April 1932 – 11. Juli 2017)

Nach langer und schwerer Krankheit, aber gut betreut in der Klosterinfirmerie von Maria Laach verstarb der bekannte Liturgiewissenschaftler P. Angelus Häußling am 11. Juli 2017 in seinem 86. Lebensjahr. Geboren wurde er am 19. April 1932 im pfälzischen Lambrecht als siebtes von neun Kindern des Dr. iur. utr. et rer. pol. Aloys Häußling und seiner Frau Maria, geb. Schlosser, die ihm den Rufnamen Albert gaben. Der Vater entstammte einer Fabrikantenfamilie, hatte zunächst Theologie studiert und wurde wegen seiner standhaft katholischen Haltung im Dritten Reich beruflich massiv eingeschränkt. Albert erhielt seine schulische Ausbildung hauptsächlich im Jesuiteninternat St. Blasien im Schwarzwald und trat 1951 in die damals in voller Blüte stehende Abtei Maria Laach ein. Nach der ersten Profess (22. März 1953) studierte er Philosophie und Theologie in den Hauslehranstalten Maria Laach und Beuron. Die Feierliche Profess legte er am 1. April 1956 ab und erhielt die Priesterweihe am 27. Juli 1958. Nach einer Übergangszeit als Sakristan in der Abteikirche begann er im Wintersemester 1961 ein Aufbaustudium an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck, u.a. bei den Professoren Josef Andreas Jungmann, Hugo und Karl Rahner, und wechselte im Wintersemester 1964 nach Salzburg, wo er 1965 über das Thema „Die Konventmesse – ihre Entstehung und ihr Sinn“ promoviert wurde. Mit dem Thema der Eucharistiefeier befasste sich auch ein vieldiskutierter Band, den er 1966 gemeinsam mit seinem akademischen Lehrer Karl Rahner herausbrachte über „Die vielen Messen und das gemeinsame Opfer“, der sich mit dem Thema der bis dahin üblichen täglichen Einzelzelebration und als Alternative der Konzelebration befasste. Dieses letztere Modell sollte sich in der Folge auch durchsetzen.
Nach seiner Rückkehr in die Heimatabtei übernahm P. Angelus die Leitung der gut ausgestatteten Klosterbibliothek, die er als bibliophiler und leidenschaftlicher Leser mit großem Engagement leitete. Seine liturgiewissenschaftliche Qualifikation brachte ihm eine Reihe von Berufungen ein: von 1965 bis 1975 wirkte er als Gastdozent für das Liturgische Institut in Trier, von 1969 bis 1974 übernahm er Lehrstuhlvertretungen in Liturgiewissenschaft für die Theologischen Hochschulen SVD in St. Augustin und der Redemptoristen in Geistingen, von 1972 bis 1975 war als Mitglied des Diözesanrates Trier Vorsitzender des Sachausschusses Liturgie, von 1975 bis 1980 Mitglied des Priesterrates der Trierer Diözese und von 1986 bis 1996 Mitglied der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz sowie in weiteren kirchlichen Gremien. Ab 1976 wirkte er als außerordentlicher und ab 1980 ordentlicher Professor für Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Salesianer Don Boscos in Benediktbeuern. Die Tätigkeit an der ehemaligen Benediktinerabtei mit der engen Gemeinschaft zu den Studenten sagte ihm offensichtlich zu, so dass er Berufungen an die Universität Bochum und die Benediktinerhochschule S. S. Anselmo ablehnte. Nach der Beendigung des aktiven Lehrdienstes in Benediktbeuern im Jahr 2000 zog er in das nahegelegene München um, wo er bei den Benediktinerinnen von Venio OSB als Hausgeistlicher Heimat fand und vor allem am von ihm mitbetreuten „Handbuch für Liturgiewissenschaft“ ungestört arbeiten konnte. Ende 2012 nahmen gesundheitliche Schwierigkeiten derart zu, dass sich im Januar 2013 die dauerhafte Rückkehr nach Maria Laach nahelegte.
P. Angelus zählte zu den führenden deutschen Liturgiewissenschaftlern mit internationalem Ruf: neben seiner (Mit)Herausgeberschaft des „Archivs für Liturgiewissenschaft“ (ab 1975) übernahm er zahlreiche Vorträge auf wissenschaftlichen Kongressen und Tagungen und verfasste dank eines enormen Fleißes und einer enzyklopädischen Bildung unzählige Aufsätze, Lexikon- und Handbuchartikel sowie Rezensionen, wo er mit einem feinen Gespür für liturgische Angemessenheit und manchmal auch scharfem Urteil sich zu Wort meldete. Thematisch lagen ihm vor allem die Theologie des Gebetes und die Anliegen der liturgischen Reform am Herzen. Sein großes Werk über die Tagzeitenliturgie konnte er allerdings nicht mehr vollenden. Die Theologische Fakultät der Universität Fribourg (Schweiz) hat sein wissenschaftliches Werk im Jahr 2000 durch die Verleihung des Dr. theol. h.c. gewürdigt. Der Bayerischen Benediktinerakademie gehörte P. Angelus seit 1977 an und war auf den Münchner Tagungen ein regelmäßiger Teilnehmer, dessen freundliche Umgangsformen und heitere Grundstimmung in guter Erinnerung bleiben. Sein Todestag fiel ausgerechnet auf das Hochfest des Ordensgründers, dem er auf seine Weise lebenslang gedient hat. R.i.p.
Stephan Haering OSB / Cyrill Schäfer OSB

Dr. Christof Römer (18. Juli 1936 – 17. Mai 2017)

Am 17. Mai 2017 verstarb in Braunschweig der Landeshistoriker Dr. Christof Römer nach längerer schwerer Krankheit. Christof Römer wurde am 18. Juli 1936 in der Hansestadt Lübeck geboren. Nach dem Abitur an der Oberschule zum Dom in Lübeck studierte er Geschichte, Germanistik und Kunstgeschichte von 1956–58 in Hamburg und von 1958–61 an der Freien Universität Berlin. Hier wurde er 1967 mit der Arbeit „Das Kloster Berge bei Magdeburg und seine Dörfer 968–1565. Ein Beitrag zur Geschichte des Erzstiftes Magdeburg“ zum Dr. phil. promoviert. Die Disser­tation erschien 1970 als Band 30 der „Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte“ in Göttingen. Von 1961–70 war er als Wissenschaftlicher Assistent an der Pädagogischen Hochschule Berlin tätig und erhielt 1971–73 ein Habilitationsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft für das Thema „Der niedersächsische Reichskreis im 16. Jahrhundert“, einen Themenkomplex, der sich noch in vielen seiner späteren Veröffentlichungen wiederfindet. Statt der Hochschullaufbahn wandte er sich jedoch der Museumsarbeit zu und wirkte seit 1974 als Kustos, später als Oberkustos am Braunschweigischen Landesmuseum in Braunschweig, einer Aufgabe, der er sich mit großem Engagement bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2001 widmete. In dieser Stellung organisierte er vielbeachtete Ausstellungen, u.a. zu Politik und Gesellschaft zum Ende des 19. Jahrhunderts, zu Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Oels, dem „Schwarzen Herzog“, einem Gegenspieler Napoleons, und zum Hause Bevern und dessen dynastischen Verflechtungen in Europa.
Vor allem aber erwarb sich Christof Römer einen Ruf als Landeshistoriker. Mit großem Eifer wandte er sich den unterschiedlichsten Themen der niedersächsischen Landes-, Kirchen- und Wirtschaftsgeschichte zu, aber auch von Bremen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg, dabei wurde er von seiner Frau Ute Römer-Johannsen, die ebenfalls Historikerin war und mit der er neun Jahre verheiratet war, tatkräftig unterstützt. Mit ihr konvertierte er zum katholischen Glauben; sie verstarb viel zu früh im Jahre 1985.
Umfangreich ist die Liste seiner Publikationen, sie zählt 122 Titel: Monographien, Aufsätze und Beiträge (ohne Rezensionen); eine Bibliographie erschien aus Anlass seines 70. Geburtstages in der Harz-Zeitschrift 2006 (58. Jg.), eine weitere zum 80. Ge­burtstag in der Harz-Zeitschrift 2016 (68. Jg.). Das Spektrum seiner Interessen war weitgespannt und umfasste die Bistums-, Kloster- und Reformationsgeschichte, den Handel und die Hanse, die Geschichte von Fürstenhäusern und weltlichen und geistlichen Territorien, Kultur- und Kunstgeschichte sowie Militärgeschichte. 1977 wurde er als Mitglied in die Historische Kommission für Niedersachsen und Bremen berufen. Seit 1991 war er Vizepräsident der „Stiftung Mitteldeutscher Kulturrat“ und wurde 1993 Mitherausgeber des Mitteldeutschen Jahrbuchs. Als 1990 nach der Wende der 1868 gegründete Harzverein für Geschichte und Altertumskun­de wieder im gesamten Harzgebiet wirken konnte, stellte er sich als 2. Vorsitzender zur Verfügung und wurde 1996 zum 1. Vorsit­zenden gewählt. Bereits 1991 übernahm Christof Römer die Heraus­gabe der Jahresschrift des Harzvereins, der Harz-Zeitschrift, und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass 1999 nach langer Pause mit Band XI wieder eine Ausgabe der „Harz-Forschungen“ erscheinen konnte. Große Verdienste erwarb er sich bei der Organisation wissenschaftlicher Tagungen des Harz-Vereins, so 1992 in Blankenburg (Zur Geschichte von Grafschaft und Fürstentum Blankenburg), 1994 auf der Burg Querfurt (Querfurt – eine Region in Geschichte und Gegenwart), 1995 in Ballenstedt (Anhaltischer Harz), 1996 in Harzgerode und 1998 in Aschersleben sowie 2001 im Kloster Drübeck die Tagung „Evangelische Landeskirchen der Harzterritorien in der frühen Neuzeit“.
Christof Römers besonderes Interesse galt der Erforschung der Klostergeschichte der Benediktiner und Zisterzienser in Mittel- und Ostdeutschland. 1982 wurde er als a.o. Mitglied in die Bayerische Benediktinerakademie aufgenommen. 1999 war er Mitherausgeber des Bandes „Benediktiner, Zisterzienser“ in der Reihe „Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser“ (Bd. 7 im Lukas Verlag Berlin). Im Lexikon für Theologie und Kirche (3. Aufl., Freiburg 1993–2001) behandelte er die Beiträge zu Berge bei Magdeburg, Bosau, Frose, Huysburg, Königslutter, Nienburg/Saale, Oldisleben, Paulinzella. Besonders hervorzuheben ist die Edition des Bandes X, 1–2 des Standardwerkes GERMANIA BENEDICTINA „Die Mönchsklöster der Benediktiner in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen“ zusammen mit Dr. Monika Lücke 2012. In diesen Bänden übernahm er die Beiträge Chemnitz, Ilsenburg, Magdeburg St. Moritz, Magdeburg St. Johannis zu Berge (mit Anja Freckmann: Bibliotheksgeschichte), Ohrdruf, Reinhardsbrunn und war an 11 weiteren Beiträgen beteiligt. Bereits zu den Bänden VI, XI und XII der GERMANIA BENEDICTINA „Norddeutschland“ hatte er Beiträge geliefert. Vier Aufsätze veröffentlichte er in den SMGB (2009, 2012, 2015, 2016). Gewissermaßen als Ausklang seiner langjährigen Forschungsarbeit wollte er seine vielfältigen Studien zur Halberstädtischen Geschichte für eine Darstellung der „Gesamtgeschichte der Bischöfe von Halberstadt“ einsetzen, die in mehreren Monographien erscheinen sollte.
Es war ihm noch vergönnt, in den Jahren 2013–15 trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen mit seiner zweiten Frau Maria – er hatte 1986 noch einmal geheiratet – mehrere Reisen nach Polen, Italien mit Sizilien, zu den Königsgräbern in Marokko, in die Vereinigten Arabischen Emirate und Kappadokien zu unternehmen. Im letzten Jahr vor seinem Tode lebte Christof Römer zurückge­zogen in seinem Braunschweiger Heim. Seine letzte Ruhestätte fand er im Familiengrab der Familie seiner Frau in Thorn/Polen. R.i.p.
Detlef Jankowski, Wülfrath

Dr. Hermann Hauke (6. August 1930 – 20. März 2017)

Am 20. März 2017 verstarb in München Bibliotheksdirektor i. R. Dr. theol. Hermann Hauke im 87. Lebensjahr. Er gehörte der Bayerischen Benediktinerakademie seit 1981 als außerordentliches Mitglied in der Historischen Sektion an.
Hermann Hauke wurde am 6. August 1930 in Freiwaldau in Sudetenschlesien geboren. Er verlebte dort in der Familie, trotz einer chronischen Krankheit seines Vaters, eine unbeschwerte Kindheit. Die frühen Jahre waren freilich auch von den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs gekennzeichnet. Kurz vor dessen Ende musste der Halbwüchsige im letzten Aufgebot des nationalsozialistischen Regimes sogar noch selbst Kriegsdienste leisten.
1946 wurde die Familie aus der Tschechoslowakei vertrieben und fand in Waldeck am Edersee in Nordhessen ihren neuen Lebensort. Der alten Heimat fühlte sich Hermann Hauke aber zeitlebens verbunden. Ein Jahr nach der Ankunft in Waldeck starb seine Mutter eines plötzlichen Todes. Das Abitur legte Hauke am Gymnasium in Bad Wildungen ab und nahm dann an der Philosophisch-theologischen Hochschule Königstein im Taunus das Studium der Theologie auf. Nach dem Abschluss trat er im Erzbistum Paderborn für etwa ein Jahrzehnt in den kirchlichen Dienst.
1966 promovierte Hermann Hauke aufgrund der Studie „Die Lehre von der beseligenden Schau nach Nikolaus Trivet“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München bei dem bekannten Dogmatiker Michael Schmaus (1897–1993) mit dem Prädikat „magna cum laude“ zum Doktor der Theologie. Das Werk ist als Dissertationsdruck erschienen (München 1967). Die Studien zu Schriften des englischen Scholastikers und Dominikaners Trivet (um 1258–1328) hatten Dr. Hauke tief in die Mittelalterforschung hineingeführt und im Umgang mit alten Manuskripten sehr vertraut und kompetent gemacht. Dies trug mit dazu bei, dass er sich zu einer beruflichen Neuorientierung entschloss, die schließlich in seine langjährige und hochgeschätzte Tätigkeit als wissenschaftlicher Bibliothekar in der Handschriftenabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek München mündete. Bei Erreichen der Altersgrenze wurde Dr. Hermann Hauke 1995 als Bibliotheksdirektor pensioniert. Seine wissenschaftlichen Arbeiten fanden damit indes noch lange kein Ende.
Die Bayerische Staatsbibliothek birgt in ihrer Handschriftenabteilung zahllose Manuskripte, die ursprünglich aus bayerischen Klöstern stammen und im Zusammenhang mit der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach München verbracht worden sind. Es lag nahe, dass Dr. Hauke in seiner beruflichen Tätigkeit mit der fachkundigen Erschließung und Bearbeitung dieser Bestände bald auch das Interessengebiet der Benediktinerakademie berührt hat. Erste Früchte seines Forschens in diesem Bereich waren die Beiträge über „Die Tischlesung im Kloster Tegernsee im 15. Jh. nach dem Zeugnis seiner Handschriften“ (SMGB 83 [1972] 220–228) und „Das Isengrim-Missale von Ottobeuren“ (SMGB 84 [1973] 151–157). 1974 legte Hauke ein monographisches Verzeichnis der mittelalterlichen Handschriften in der Abtei Ottobeuren vor. Anlässlich des 1500–Jahr-Jubiläums des heiligen Benedikt von Nursia (480–547) veranstaltete die Bayerische Staatsbibliothek 1980/81 eine Ausstellung zur „Benediktregel in Bayern“; für den Katalog steuerte Dr. Hauke die Beschreibung der Handschriften bei. Gleichfalls 1980 erschien eine Ausgabe des Matutinalbuchs aus dem Kloster Scheyern (clm 17401), die von Hermann Hauke mitverantwortet wurde. Solche Veröffentlichungen ließen auf den gelehrten Bibliothekar aufmerksam werden und führten zu seiner Aufnahme in die Benediktinerakademie im Jahr 1981.
Daneben sind zahlreiche weitere Publikationen von Hermann Hauke erschienen, die zumeist von Handschriften der Münchner Staatsbibliothek ihren Ausgang nahmen. Dauerhaft bleibt sein Name verbunden mit der neuen Katalogisierung der lateinischen Fragmente und Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München, an der er über Jahrzehnte hin verantwortlich mitgewirkt hat. Die Publikation „Vinzenz Prießnitz und Freiwaldau-Gräfenberg. Ein Almanach, dem ‚Genie des kalten Wassers‘ zum 200. Geburtstag gewidmet“ (1998), woran er entscheidenden Anteil hatte, zeugt von Haukes bleibender Verbundenheit mit seiner altösterreichischen Heimat.
An den Unternehmungen der Historischen Sektion der Akademie hat sich Hermann Hauke gern beteiligt. In der Zeitschrift der Benediktinerakademie finden sich außer den bereits genannten Beiträgen von Dr. Hauke noch weitere Artikel zu Handschriften aus den Klöstern St. Peter in Salzburg (SMGB 93 [1982] 802–829) und Ottobeuren (SMGB 112 [2001] 267–272; 113 [2002] 105–120) sowie Besprechungen. Regelmäßig besuchte er die jährlichen Tagungen der Akademie, solange es ihm gesundheitlich möglich war; häufig wurde er dabei von seiner Gattin Gretel Hauke begleitet. Der persönlich zurückhaltende Bibliothekar war von vornehmer Freundlichkeit und genoss im Kreis der Akademiemitglieder hohe menschliche und fachliche Wertschätzung.
Die Bayerische Benediktinerakademie wird Dr. Hermann Hauke ein ehrendes Andenken bewahren.
Stephan Haering OSB, Metten/München