2019

P. Benedikt Pitschmann OSB (24. Februar 1932 – 21. Januar 2019)

Am 21. Januar 2019 verstarb im Klinikum Wels (Oberösterreich) P. Dr. Benedikt Pitschmann aus dem Stift Kremsmünster. Er stand im 87. Lebensjahr. Der Heimgegangene fand am 29. Januar 2019 auf dem Konventfriedhof in Kremsmünster seine letzte Ruhestätte. P. Dr. Benedikt Pitschmann gehörte der Bayerischen Benediktinerakademie seit 1979 als Mitglied in der historischen Sektion an.
Leo Josef Pitschmann wurde am 24. Februar 1932 in Mannersdorf am Leithagebirge in Niederösterreich geboren, nahe an der Grenze zum Burgenland. Das Gymnasium besuchte er in Wien, Bruck an der Leitha und schließlich, nach dem Umzug der Familie nach Pettenbach, im Stift Kremsmünster. Nach der Matura trat Leo Pitschmann 1952 als Novize in Kremsmünster ein und erhielt den Ordensnamen Benedikt. Im Anschluss an die zeitliche Profess 1953 nahm er die theologischen Studien in Rom an der Ordenshochschule S. Anselmo auf, legte 1956 die ewige Profess ab und wurde 1957 zum Priester geweiht.
Zur Vorbereitung auf eine künftige Lehrtätigkeit am Stiftsgymnasium studierte P. Benedikt ab 1958 an der Universität Wien Geschichte und später auch Germanistik. Er vertiefte sich besonders in die historischen Studien und absolvierte in den Jahren 1959 bis 1962 als außerordentliches Mitglied den 49. Kurs des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung (MIÖG 70 [1962], S. 517). Mit einer Studie zum Thema „Abt Bonifaz Negele von Kremsmünster 1639–1645. Ein Beitrag zur Kirchengeschichte des 17. Jahrhunderts“, promovierte Pitschmann 1963 zum Dr. phil.; die Dissertation blieb ungedruckt.
Von 1965 bis 1994 wirkte P. Benedikt Pitschmann als Lehrer am Stiftsgymnasium Kremsmünster. Er unterrichtete Deutsch, Geschichte und Stenographie und war darüber hinaus einige Jahre als Konviktspräfekt tätig. Neben häufigen Aushilfen in der Seelsorge nahm er auch verschiedene Funktionen innerhalb des Klosters wahr. So war er viele Jahre lang Betreuer der Briefmarkensammlung, Kustos der Münzsammlung und Chronist. Die qualifizierte historische Ausbildung, die P. Benedikt an der Universität Wien genossen hatte, prädestinierte ihn für die Tätigkeit im Archiv des Stifts Kremsmünster, dem er sich jahrzehntelang eingehend widmete. 1968 wurde er zum Adjunkten des Stiftsarchivars P. Dr. Willibrord Neumüller (1909–1978) bestellt und hatte von 1978 bis 2007 selbst die Leitung des Stiftsarchivs inne.
Für die Aufnahme in die Bayerische Benediktinerakademie hatte sich P. Benedikt Pitschmann durch seine fundierten historischen Forschungen und Publikationen empfohlen. Neben den verschiedenen Aufgaben, die ihm übertragen wurden, fand er noch Zeit wissenschaftlich zu arbeiten und teils umfangeiche historische Abhandlungen zu verfassen. Inhaltlicher Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeiten waren überwiegend Themen aus der Geschichte des Stifts Kremsmünster oder seines Umfelds. Bemerkenswert sind auch vier Beiträge zu Geschichte und Gegenwart der Kirche in Russland und benachbarter Regionen, die in den Jahren des politischen Umbruchs erschienen sind (1988–1991). Das Schriftenverzeichnis P. Benedikts ist von beachtlicher Länge.
Bereits die erste Publikation Pitschmanns ist in der Zeitschrift unserer Akademie erschienen. Es ist der Beitrag „Die Franzosen in Kremsmünster (1800–1801)“ (SMGB 78 [1967], S. 168–274). Es handelt sich dabei um die 1962 bei Professor Alphons Lhotsky (1903–1968) vorgelegte Hausarbeit zum Ausbildungskurs des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Eine andere größere Publikation in unserem Periodikum ist die Edition aus dem Clm 2296 der Bayerischen Staatsbibliothek München „Aus dem Tagebuch eines Flüchtlings des Dreißigjährigen Krieges. Abt Karl Stengel von Anhausen in Kremsmünster“, die P. Benedikt anlässlich des 1200-Jahr-Jubiläums seines Klosters veröffentlichte (SMGB 88 [1977], S. 53–145). Daneben finden sich weitere Fachbeiträge und Nachrufe, die er für diese Zeitschrift verfasst hat.
Zusammen mit seinem Mitbruder P. Dr. Theodorich Pichler (1915–1991) bearbeitete P. Benedikt für die Benediktiner-Bibliographie den Beitrag zu Kremsmünster (Bibliographie der deutschsprachigen Benediktiner 1880–1980, Bd. 1, St. Ottilien 1985 [= SMGB.E 29/1], S. 188–219). Für das gleichfalls von der Bayerischen Benediktinerakademie getragene Projekt der „Germania Benedictina“, hat er den umfangreichen Artikel zum Stift Kremsmünster verfasst (Die benediktinischen Mönchs- und Nonnenklöster in Österreich und Südtirol, bearb. von Ulrich Faust und Waltraud Krassnig, Bd. 2, St. Ottilien 2001 [= GermBen 3/2], S. 163–252). Auch an der groß angelegten Nationalbiographie „Österreichisches biographisches Lexikon 1815–1950“ (ÖBL), die von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften verantwortet wird, hat P. Benedikt Pitschmann mitgearbeitet und von 1972 bis 2001 einige Artikel für dieses Werk beigesteuert. Viele Veröffentlichungen Benedikt Pitschmanns sind im Jahresbericht des Stiftsgymnasiums Kremsmünster oder in regionalen Periodika erschienen.
Als im fortgeschrittenen Alter sich Krankheit und Schwäche zunehmend bemerkbar machten, verminderten sich P. Benedikts forscherische Energie und literarische Produktivität allmählich und versiegten schließlich ganz. Sein letztes Jahrzehnt lebte er, gesundheitlich beeinträchtigt und auf Hilfe angewiesen, zurückgezogen in der Krankenabteilung des Stifts Kremsmünster.
P. Benedikt Pitschmanns umfangreiches Wirken auf verschiedenen Gebieten ist mehrfach anerkannt und gewürdigt worden. Die Diözese Linz ehrte den Seelsorger mit der Verleihung des Titels eines Geistlichen Rates (1974) und eines Konsistorialrates (1996). Die gymnasiale Unterrichtstätigkeit P. Benedikts wurde durch den ihm verliehenen Titel „Oberstudienrat“ ausgezeichnet (1991). Weitere Würdigungen waren das Goldene Ehrenzeichen des Verbandes Österreichischer Philatelisten-Vereine (2002) und das Verdienstzeichen in Silber der Marktgemeinde Pettenbach (2005).
Die Bayerische Benediktinerakademie und ihre historische Sektion bewahren ihrem langjährigen Mitglied P. Benedikt Pitschmann ein ehrendes Andenken.

Stephan Haering OSB, Metten/München