2021

Prof. Dr. Franz Machilek (9. Januar 1934 – 5. April 2021)

Das großartige Lebenswerk von Franz Machilek zum Reformator Jan Hus – gewissermaßen eine Synthese von Leben und Wirken, verknüpft mit internationalen Forschungsansätzen – sollte die letzte enorme Leistung des ehemaligen Bamberger Archivdirektors sein. Am 5. April 2021 ist der renommierte Historiker unerwartet in Erlangen verstorben.
Prof. Dr. Machilek wurde am 9. Januar 1934 in der bis 1992 bestehenden Tschechoslowakei im südmährischen Hustopeče (Auspitz) geboren. Sein Studium der Philosophie, Theologie, Germanistik, Geschichte sowie der Historischen Hilfswissenschaften erstreckte sich in den Jahren 1953–63 an der Philosophischen Hochschule St. Stephan (Augsburg), der Philosophisch-Theologischen Hochschule Dillingen und der Universität München. 1955 legte er am Philosophicum in Augsburg die Erste Staatsprüfung für das Lehramt ab, bevor er 1966 die Zweite Staatsprüfung für den Höheren Archivdienst absolvierte. Promoviert wurde Franz Machilek 1963 zum Thema: „Ludolf von Sagan und seine Stellung in der Auseinandersetzung um Konziliarismus und Hussitismus“ (veröffentlicht 1967 in: Wissenschaftliche Materialien und Beiträge zu Geschichte und Landeskunde der böhmischen Länder, herausgegeben vom Collegium Carolinum und der Historischen Kommission der Sudetenländer, Heft 8). Auf diese Weise schließt sich wie ein A und Ω sein Interessen- und Forschungsfeld zum Hussitismus. Dank intensiver Studien zu diesem böhmisch-christlichen Theologen, Prediger und Reformator nahm Franz Machilek sicher auch ein Stück „alter“ Heimat mit nach Deutschland.
Es konnten grundlegende Erkenntnisse fixiert werden. Stellvertretend seien an dieser Stelle genannt: „Die hussitische Revolution. Religiöse, politische und regionale Aspekte“ (Köln 2012) oder zusammen mit Joachim Köhler „Gewissen und Reform. Das Konstanzer Konzil und Jan Hus in ihrer aktuellen Bedeutung“ (Berlin 2015) und schließlich „Jan Hus (um 1372–1415): Prediger, Theologe, Reformator“ (Münster in Westfalen 2019). Bereits an den 210 Einträgen im Verzeichnis der Regesta Imperii wird die vielfältige Schaffenskraft des landes- und archivwissenschaftlich orientierten Gelehrten deutlich.
Von 1959 bis 1963 war Machilek Verwalter einer wissenschaftlichen Assistentenstelle am Historischen Seminar an der Ludwigs-Maximilians-Universität München. Im darauffolgenden Jahr arbeitete er als Assistent beim Corpus Cosuetudinum Monasticarum. Von 1964 bis 1966 besuchte der Ehrenbürger der tschechischen Stadt Hustopeče die Archivschule in München. 1966/68 wirkte er als Sachbearbeiter im Bayerischen Hauptstaatsarchiv und anschließend in gleicher Funktion von 1968 bis 1981 im Staatsarchiv Nürnberg. Danach (1982–1997) leitete er als Archivdirektor das Bamberger Staatsarchiv. Nebenbei (1982–1989) hatte er – Sohn eines Steuerbeamten und einer früh verwitweten Lehrerin – bereits einen Lehrauftrag für Archivkunde an der Universität Bamberg. Seit 1989 lehrte er dort als Honorarprofessor für Mediävistik und Historische Hilfswissenschaften.
Für seine international geschätzten Studien erhielt Franz Machilek Zugang zu einigen Mitgliedschaften. Diese Institutionen können hier freilich nur umrissen werden. Seit 1968 gehörte er der Historischen Kommission der Sudetenländer an und wurde 1976 in deren Vorstand kooptiert. Neben der Gesellschaft für fränkische Geschichte (1982–2000 Mitglied des Gesamtausschusses) war Machilek ab 1976 im Johann-Gottfried-Herder-Forschungsrat integriert; zunächst als korrespondierendes Mitglied, seit 1979 als ordentliches Mitglied und von 1984 bis 1991 im Vorstand. Ferner fungierte der Wissenschaftler – geboren als einer von vier Geschwistern – von 1997 bis 2003 als Vorstandsmitglied im Collegium Carolinum. 1988 wurde er in die Historische Kommission für Schlesien berufen. Weitere Aufgaben unter anderem als Gutachter für die Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München schärften sein Lebensprofil. 2001 wurde er „Corresponding Fellow“ im Zentrum für Mittelalterstudien der Karls-Universität Prag und der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik. 1988 erfolgte die Zuwahl im Forschungskreis Ebrach und nur drei Jahre später die als Mitglied im Colloquium Historicum Wirsbergense. Franz Machilek engagierte sich seit 1982 auch als Beirat im Ausschuss der Gesellschaft zur Herausgabe des Corpus Catholicorum. Im Folgejahr kooptierte man ihn im Beirat des Instituts für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte, später in dessen Vorstand. Im November 2016 wurde er, der zu zahllosen Wissenschaftlern im In- und Ausland stets ein kollegiales Verhältnis wahrte, bei der Bayerischen Benediktinerakademie zugewählt.
Machileks Forschungsergebnisse zur bayerischen, fränkischen und böhmischen Landesgeschichte, aber auch zur Ordensgeschichte verdienen uneingeschränktes Lob. Seine Untersuchungen zur Ketzergeschichte des Spätmittelalters und profunden Humanismus-Kenntnisse erfuhren höchste Anerkennung.

Sabine und Wolfgang Wüst, Nürnberg