P. Martin Mayrhofer (22. Januar 1942 – 30. September 2026)
Am 30. September 2026 verstarb P. Martin Mayrhofer aus dem Stift Seitenstetten. Er war viele Jahre Professor für bildnerische Erziehung am hauseigenen Gymnasium und seit 1984 Kustos der Kunstsammlungen. 2005 wurde er auf Vorschlag von Gregor Martin Lechner Mitglied der künstlerischen Sektion. Er organisierte eine Sektionstagung im Stift Seitenstetten mit einer Exkursion in seine Pfarre Krenstetten und auf den Sonntagsberg. Unvergeßlich ist sein geräumiges Atelier, angefüllt mit Produkten seiner unermüdlichen Schaffenskraft, die Kellergewölbe des Stiftsgebäudes mit wohlgeordneten Alltagsgegenständen, die Galerie mit vielen Werken österreichischer Künstler vom Kremser Schmid bis zur Moderne, aber auch die Kirchenräume, dirch die er uns geführt hat.
Leopold Mayrhofer wurde am 22. Jänner 1942 in Loosdorf bei Melk geboren. Er besuchte das Seitenstettner Stiftsgymnasium und maturierte 1960 mit Auszeichnung. Er hatte das Privileg als junger Benediktiner während der aufregenden Zeit des II. Vatikanums in Rom zu studieren. Für den künstlerisch begabten Mönch war Rom eine unübertreffliche Schule des Lernens und Sehens. P. Martin erlernte beim Bildhauer Johann Marschner die Bildschnitzerkunst und studierte ab 1977 an der Hochschule für Künstlerische und Industrielle Gestaltung in Linz und schloss dieses Studium im Jahr 1982 als Magister artium ab.
Daneben blieb P. Martin selbst zeitlebens künstlerisch tätig. Von der Bildhauerei wandte er sich zunehmend verschiedenen graphischen Techniken, dem Aquarell und der Temperamalerei, zu. Sein umfangreiches Schaffen präsentierte er in zahlreichen Ausstellungen. Auch seine Galerie- und Atelierabende waren sehr beliebt.
Nachdem sich am Karsamstag 2026 eine Krebserkrankung bemerkbar gemacht hatte, nahm seine Lebenskraft innerhalb weniger Monate ab. P. Martin war eine markante Persönlichkeit, ein liebevoller Seelsorger und ein leidenschaftlicher Künstler.
Petrus Eder OSB, St. Peter/Salzburg
Dr. phil. Sixtus Lampl (6. August 1941 – 18. September 2026)
Dr. Sixtus Lampl war das am zweitlängsten zugehörige Mitglied der künstlerischen Sektion. Geboren am 6. August 1941 in Schliersee, verstarb er am 18. September 2026. Mit den Benediktinern kam er zuerst als Gymnasiast in Schäftlarn in Kontakt, wo er auch den ersten Orgelunterricht durch Pater Augustin Kessler erhielt. Als Elfjähriger spielte er sein erstes Hochamt. Dr. Lampl verstand sich immer als Musikwisserschaftler und Kunsthistoriker zugleich. Sein Interesse für barocke Klosterkomponisten verband ihn mit anderen Mitgliedern der Akademie wie Dr. Robert Münster und Alois Kirchberger. Im Gedächtnis der Öffentlichkeit bleibt er Gründer und ehemaliger Eigentümer des Orgelzentrums Valley. Diese Arche für Orgeln, deren Wert von den Orgelpuristen verkannt wurde, geht auf seine Erfahrungen und manchmal fruchtlose Bemühungen als Orgelreferent des Landesamts für Denkmalpflege zurück. Zurzeit befinden sich im Orgelzentrum mehr als 60 Orgeln verschiedener Bauweisen.
Petrus Eder OSB, St. Peter/Salzburg
Dr. phil. Gabriele Dischinger (1. Dezember 1944 – 30. Juni 2026)
Gabriele Dischinger wurde am 1. Dezember 1944 im niederschlesischen Bad Warmbrunn als einziges Kind in eine Kaufmannsfamilie. Nach dem Kriege übersiedelte die Familie nach Dortmund, der Heimatstadt des Vaters, wo die Tochter aufwuchs. In einer Gegend, geprägt vom Bergbau und der Schwerindustrie, in der damals noch der Klassenkampf gelebt wurde, hatte ein Kind eines Akademikers in der Schule einen schweren Stand. Da Gabriele die damit verbundenen Anfeindungen nur schwer ertragen konnte, wechselte sie für die letzten Jahre des Gymnasiums nach Heidelberg, wo sie ihr Abitur machte. Dort begann sie 1964 auch ein Studium der Psychologie, wechselte aber nach zwei Semestern zu den Fächern Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Wirtschaftsgeschichte. Gerade die Kunstgeschichte zog sie in ihren Bann, und sie begann schon als Studentin in ungewöhnlich gründlicher Form zu den Quellen herabzusteigen. Der Kunsthistoriker Prof. Dr. Klaus Schwager bot ihr daher an, über den Wessobrunner Baumeister Joseph Schmuzer zu promovieren, was sie 1972 abschloss. Ihre Promotionsschrift veröffentlichte sie allerdings erst fünf Jahre später: Der Thorbecke-Verlag hatte sie gebeten, zusätzlich noch das Werk von Johann Schmuzer aufzuarbeiten, des Vaters von Joseph Schmuzer. Das dadurch entstandene Werk über die Familie Schmuzer kann man wohl im Bereich der Wessobrunner Baukunst als eine Pionierleistung bezeichnen.
Nach Abschluss der Promotion begann sie als freie Wissenschaftlerin an einem Forschungsprojekt mitzuarbeiten, das von ihrem Doktorvater initiiert worden war, nämlich die Aufarbeitung der Baugeschichte des Klosters Ottobeuren. Sie zeigte dabei ein ausgesprochenes Gespür für künstlerische Handschriften und typische stilistische Eigenheiten in Zeichnungen und Plänen von Architekten und Baumeistern. Gerade im Bereich der Architektur und Planzeichnungen konnte sie daher zahlreiche neue Zuweisungen und Identifizierungen vornehmen. Die ihrerseits gesichteten Planzeichnungen für Kloster Ottobeuren waren allerdings derart umfangreich, dass das Projekt in den vorgesehenen drei Jahren bei weitem nicht abzuschließen war und zu einem privat betriebenen Langzeitprojekt wurde. So wechselte sie 1975 zu einem weiteren Forschungsprojekt nach München, wo sie beauftragt war, einen Katalog der Zeichnungen kirchlicher Bauten im Hauptstaatsarchiv zu erstellen. Auch dieses Projekt ließ sich in drei Jahren nicht bewältigen, so dass daraus schließlich sechs Jahre als Angestellte des Hauptsstaatsarchivs wurden. Die zwei Bände, die daraus erwuchsen, erfassen insgesamt 700 kommentierte Pläne. In dieser Zeit lernte Gabriele Dischinger auch ihren späteren Ehemann Wolf Sajda kennen, den sie recht bald für die Begleitung bei Kunstexkursionen durch die bayerischen Lande gewinnen konnte.
Nach Abschluss des Katalogs (1983) begann Gabriele Dischinger eine freiberufliche Tätigkeit. Dabei lag ein Schwerpunkt auf Münchener Architektur und der dortigen Häuserforschung, so zur Baugeschichte von Adelspalais, Kirchen und Klöstern, aber auch im sonstigen bayerischen Raum, wie zu den Klöstern Andechs, Schlehdorf, Donauwörth oder auch der Stadtkirche von Weilheim oder der Würzburger Residenz. Ein besonderes Anliegen war für sie die Aufarbeitung des personengeschichtlichen Umfelds eines Bauvorhabens, so dass sie jedes einzelne Gewerk mit den verschiedenen beteiligten Handwerker erfasste. Ein weiterer Schwerpunkt war die Aufarbeitung des künstlerischen Oeuvres bedeutender Barockarchitekten.
Als Auftragsarbeit erstellte sie zusammen mit dem Architekten Franz Peter zwischen 1992 und 1995 eine Wanderausstellung zum Werk von Johann Michael Fischer, die ihren Ausgang im Geburtsort Fischers, in Burglengenfeld hatte und aus der ein zweibändiges Werkverzeichnis Fischers erwuchs, das als Standardwerk über das Schaffen und die Architektur von Johann Michael Fischer gilt. Besonders hingewiesen sei noch auf die Kirchenführer, die sie oft gemeinsam mit anderen Autoren erstellte, so in der Reihe der Kunstführer von Schnell & Steiner zu Kloster Wessobrunn und zur Asamkirche in München. Vor allem dieser letzte Kunstführer wurde in vielen Auflagen nachgedruckt.
2011 konnten nach jahrzehntelanger Aufarbeitung 180 Baupläne aus dem Ottobeurer Archiv in drei Bänden veröffentlicht werden. Dabei wirkten neben Gabriele Dischinger vor allem Cordula Böhm und Anna Bauer-Wild mit, die an dem aufwändigen „Corpus der barocken Deckenmalereien“ beteiligt waren. Drei Jahre später folgte dann die Veröffentlichung der sogenannten Bildwelt mit zwei Bänden zur Ausstattungsgeschichte von Ottobeuren, in denen die Bilder und Plastiken der gut 200 Klosterräume dokumentiert werden. Ein letztes größeres Forschungsprojekt wurde 2023 in den SMGB veröffentlicht: aufgrund eines eingehenden Studiums der Bauakten konnte sie darin unter anderem nachweisen, dass die lebensgroße Reiterfigur des heiligen Georg im Hochaltar der Abtei Weltenburg eine wiederverwendete Reiterstatue von Kurfürst Max Emanuel darstellt.
Bald darauf machte sich eine Muskelerkrankung immer stärker bemerkbar. Sie ertrug die eintretende Pflegesituation und den Verzicht auf die geliebte wissenschaftliche Arbeit mit großer Gefasstheit.
In der Benediktinerakademie war sie seit 2011 Mitglied, womit seitens der Akademie ihre Verdienste bei der Erschließung der Ottobeurer Baugeschichte gewürdigt werden sollten. Sie nahm an den Jahrestreffen immer wieder teil, bis sich ihre Erkrankung bemerkbar machte. Die großen Publikationen zu Ottobeuren erschienen als Ergänzungsbände der SMGB. Ihr wissenschaftliches Werk (Monographien, Aufsätze, Katalogbeiträge) umfasst insgesamt ungefähr 60 Titel.
Wolf E. Sajda, München / Cyrill Schäfer OSB, St. Ottilien
Prof. Dr. phil. Hans Maier (18. Juni 1931 – 8. Juni 2026)
Mit Prof. Dr. Dr. hc. mult. Hans Maier vollendete eine der prägenden Gestalten des deutschen Katholizismus und ein prominentes Mitglied der künstlerischen Sektion am 8. Juni 2026 seine irdische Pilgerschaft. Nur drei Monate zuvor war ihm seine Frau Dilly im Tod vorausgegangen. Seine Leistungen für Staat und Kirche darzustellen, ist anderweitig geleistet worden. Neben seiner Zeit als gefragter Referent und fruchtbarer, breit rezipierter wissenschaftlicher Publizist und prominenter Politiker fand er immer auch Zeit an unseren Sektionstagungen teilzunehmen. Maier war passionierter Organist und begleitete als Kirchenmusiker die Gottesdienste, wirkte aber auch in Konzerten mit, die auch auf Schallplatten und CDs aufgenommen wurden. Seine Liebe zu Orgel fand in einem 2016 erschienenen Büchlein schriftlichen Niederschlag. Prof. Maier war Träger zahlreicher Auszeichnungen, Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
Petrus Eder OSB, Sankt Peter/Salzburg
Prof. Dr. Franz Bernhard Weißhaar (10. Oktober 1933 – 3. März 2026)
Prof. Franz Bernhard Weißhaar starb am 3. März 2026 nach schwerer Krankheit. Er wurde in Augsburg geboren, der Stadt mit der er lebenslang verbunden blieb. Besonders erinnernswert ist sein Engagement um die Basilika St. Ulrich und Afra. Sein Gymnasialstudien absolvierte er in St. Stephan und trat dort 1953 ein. Er studierte Theologie und Malerei und Metallarbeiten. Nachdem er 1970 den Konvent verlassen hatte, erhielt er nach einiger Zwischenzeit den Ruf an die Akademie der Bildenden Künste in München an den Lehrstuhl für Christliche Kunst – Farbliches und räumliches Gestalten insbes. an Kulträumen. Als akademischer Lehrer besaß er die Fähigkeit, seiner großen Schülerschar zu einer eigenen Formensprache zu verhelfen, ohne sie auf eine Schule zu verpflichten. Herr Weißhaar war mit den Benediktinern in enger Verbindung. Bedeutend war seine Umgestaltung der Abteikirche St. Ottilien mit großem Gespür für den Kirchenraum und die Wahrnehmung des Raumes. Sein Oeuvre war sehr vielgestaltig; im Gedächtnis bleiben seine Glasfenster, die Gestaltung liturgischer Orte, die Metallarbeiten und Fresken, aber auch so scheinbar einfache Dinge wie Schriftgestaltung und Entwürfe kirchlicher Wappen. Die Sektion verlor mit seinem Tod ein eifriges und kenntnisreiches Mitglied. Zusammen mit Dr. Schiedermaier hat er viele Sektionstagungen organisiert, an der auch Frau Dr. Heide Weißhaar Kiem, selbst eine ausgewiesene Kunsthistorikerin, gerne teilnahm.
Petrus Eder OSB, Sankt Peter/Salzburg
Prof. Dr. phil. Dr. theol. Michael Langer (11. August 1960 – 10. April 2026)
Bischof em. Maximilian Aichern (10. Oktober 1933 – 31. Januar 2026)
Maximilian Aichern wurde am 26. Dezember 1932 in Wien geboren. Als Jugendlicher hatte er Kontakte zu den in seiner Heimatpfarrei St. Joseph wirkenden Kalasantinerpatres, die sich besonders für Lehrlinge und junge Arbeiter engagierten. Nach dem Abitur 1951 erlernte er das Metzgerhandwerk, um den elterlichen Betrieb übernehmen zu können. Als sich später herausstellte, dass seine Schwester die Firma der Eltern fortführen könnte, trat er 1954 in die steirische Abtei St. Lambrecht ein. Der junge Mönch studierte in Salzburg und S. Anselmo. 1959 zum Priester geweiht, wurde er bereits 1964 zum Koadjutor der erkrankten Abtes Wilhelm Blaindorfer gewählt. Erst nach dessen Tod 1977 wurde Aichern dann selbst Abt und war damit zugleich der jüngste Abt Österreichs. In dieser Funktion trug er erheblich zur wirtschaftlichen, personellen und inneren Stabilisierung des Stiftes bei. Die Österreichische Benediktinerkongregation wählte ihn 1978 zu ihrem Präses. Als aber Papst Johannes Paul II. ihn zum Bischof von Linz ernennen wollte, lehnte er das ab, musste schließlich aber doch nachgeben. Kardinal König spendete ihm 1982 die Bischofsweihe. In der österreichischen Bischofskonferenz erhielt Aichern die Zuständigkeit für soziale und politische Themen, mit denen er in der Folge Profil und Popularität erlangte. Federführend beteiligte sich Aichern an der Entstehung des 1990 veröffentlichten und vieldiskutierten Sozialhirtenbriefs der österreichischen Episkopats. Nachhaltig förderte er die wissenschaftliche Forschung und Lehre der Katholisch-Theologischen Hochschule Linz, für die er 1988 die definitive Rechtsstellung als Fakultät päpstlichen Rechts mit dem Recht zur Verleihung akademischer Grade erreichte. Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Passau verlieh ihm und dem Prager Erzbischof Miloslav Vlk, der sich für die Errichtung der Budweiser Katholisch-Theologischen Fakultät eingesetzt hatte, 1993 die Ehrendoktorwürde. 1998 wurde Maximilian Aichern Ehrenmitglied der Bayerischen Benediktinerakademie.
Nach seiner Emeritierung im Jahr 2005 durfte Bischof Aichern noch über 20 Jahre lang den Ruhestand genießen, wobei er sich gelegentlich in gesellschaftlichen und kirchlichen Debatten zu Wort meldete. Manchmal nahm er an den Jahrestagungen der Historischen Sektion teil. Wenn ihm das nicht möglich war, rief er den Dekan an, um sich zu entschuldigen. Maximilian Aichern starb im Alter von 93 Jahren am 31. Januar 2026 in seiner Bischofstadt Linz und wurde in St. Lambrecht beigesetzt.
>Marcel Albert OSB, Gerleve